Bevor die Narrative marschieren, bevor Statements in Büros poliert werden, bevor die Schuld wie eine Last verteilt wird, steht da: Ein Mensch. Kein Symbol. Kein Feindbild. Kein Fall.
Renee Nicole Good. Lyrikerin. Mutter von drei Kindern. Partnerin. Ein Leben, das Gedichte atmete, bis die Luft auf einer Straße in Minneapolis durch Blei und politische Verachtung ersetzt wurde.
Sie sitzt im Auto. Das Fenster ist unten. Keine Barriere, kein Schutz, kein Versteck. Nur die nackte Offenheit eines Menschen, der den Frieden sucht. Ein ICE-Agent tritt an sie heran, die Waffe im Anschlag, die Distanz auf Null geschrumpft. Und Renee? Sie nutzt das Einzige, was sie hat: Ihre Stimme. Nicht als Drohung. Als Brücke. Direkt, von Angesicht zu Angesicht, sagt sie: „That’s fine, dude! I’m not mad at you.“
Ein Satz, der die Welt hätte beruhigen können. Ein Friedensangebot aus nächster Nähe. Menschlich. Weich. Ein Versuch, das Gegenüber als Mensch zu sehen.
Doch die Antwort ist die totale Vernichtung. Drei Schüsse. Gezielt. Kalt. Kein Warnschuss. Point Blank. Keine Distanz. Nicht irgendwohin. In den Kopf. Dorthin, wo die Gedichte entstanden. Dorthin, wo die Stimme wohnte, die gerade noch die Deeskalation suchte. Drei Schüsse beenden jedes Denken, jedes Lieben, jede Hoffnung. Drei Kinder sind nun allein, weil ein Agent entschied, dass ein offenes Fenster eine Einladung zum Töten sei.
Und kaum ist der Schuss verhallt, fällt das wahre Urteil. Der Täter, oder soll ich sagen: der Mörder spuckt seinen Hass hinterher: „Fuckin’ bitch!“
Das ist die nackte Wahrheit vor der Zensur. Der Hass des Täters, bevor die PR-Maschine ihn reinwäscht. Doch dann rollt sie an – die Maschinerie der Macht. Der Bürgermeister von Minneapolis macht klar, „dass die Behauptung, dies sei lediglich ein Fall von Notwehr gewesen, kompletter Müll ist. […] Das ist völliger Bullshit. Hier hat ein Beamter rücksichtslos seine Macht missbraucht, was dazu geführt hat, dass jemand gestorben ist, getötet wurde!“ Doch die Antwort aus dem Weißen Haus ist die Umkehr der Welt.
Hört ihr Trump? Er sagt, Good habe mit ihrem Fahrzeug den ICE-Beamten „gewaltsam und vorsätzlich“ angegriffen. Eine Lüge, so dreist, dass sie den Himmel verdunkelt.
Und Vance? Der Typ setzt einen drauf, konstruiert ein linkes Netzwerk, „das ICE angreift, doxt, attackiert und versucht, seine Arbeit unmöglich zu machen“. Er nennt Good eine Terroristin, behauptet dreist, sie müsse „einer Gehirnwäsche unterzogen worden sein“ und sei Opfer linker Ideologie. Er macht aus einer Mutter ein Feindbild, nur um die simple, grauenhafte Wahrheit zu begraben: Dass ein ICE-Agent Good exekutierte, während sie Frieden suchte.
Auch die Ministerin für Heimatschutz stellt sich schützend vor den Mörder und labert von Notwehr.
Sie kleben Etiketten auf eine Tote, damit sie das Gesicht der Frau hinter dem Lenkrad nicht sehen müssen. Niemand in Washington erwähnt ihre Verse. Niemand erwähnt das Lachen ihrer drei Kinder. Niemand erwähnt den Satz, der ihre Unschuld bezeugt.
Denn wer so spricht, greift nicht an. Wer so spricht, versucht die Menschlichkeit zu retten. Aber das System kennt keine Fehler – nur die Vernichtung der Wahrheit. Die Regime sagt nicht: „Wir haben ein Leben geraubt.“ Die Macht sagt: Es war „klassischer Terrorismus.“
Wir weigern uns, diese Schande zu akzeptieren! Wir kennen eure Lügen. Renee Nicole Good. Mutter. Lyrikerin. Mensch. Aus nächster Nähe hingerichtet, verraten vom System, das sie schützen sollte.
Ihr Name gehört uns. Nicht euren Statements.
Rest in peace, Renee! #sayhername
On Learning to Dissect Fetal Pigs
by Renée Nicole Macklin
i want back my rocking chairs,
solipsist sunsets,
& coastal jungle sounds that are tercets from cicadas and pentameter from the hairy legs of cockroaches.
i’ve donated bibles to thrift stores
(mashed them in plastic trash bags with an acidic himalayan salt lamp-
the post-baptism bibles, the ones plucked from street corners from the meaty hands of zealots, the dumbed-down, easy-to-read, parasitic kind):
remember more the slick rubber smell of high gloss biology textbook pictures; they burned the hairs inside my nostrils,
& salt & ink that rubbed off on my palms.
under clippings of the moon at two forty five AM I study&repeat
ribosome
endoplasmic-
lactic acid
stamen
at the IHOP on the corner of powers and stetson hills-
i repeated & scribbled until it picked its way & stagnated somewhere i can’t point to anymore, maybe my gut-
maybe there in-between my pancreas & large intestine is the piddly brook of my soul.
it’s the ruler by which i reduce all things now; hard-edged & splintering from knowledge that used to sit, a cloth against fevered forehead.
can i let them both be? this fickle faith and this college science that heckles from the back of the classroom
now i can’t believe-
that the bible and qur’an and bhagavad gita are sliding long hairs behind my ear like mom used to & exhaling from their mouths “make room for wonder”-
all my understanding dribbles down the chin onto the chest & is summarized as:
life is merely
to ovum and sperm
and where those two meet
and how often and how well
and what dies there.
(Quelle: https://poets.org/2020-on-learning-to-dissect-fetal-pigs)




