Der Mandant: Ein dreistelliger Altherrenwitz

Willkommen im SAP-Universum, der Welt der schreienden Großbuchstaben, in der die Zeit 1972 stehengeblieben zu sein scheint und die Grammatik an der Pforte abgegeben wurde. Werfen wir einen Blick auf den unangefochtenen König des Rechenzentrums, den unsterblichen Patriarchen der Datenbank:
Den Mandanten.

Drei Stellen, männlich, markant. Ein Alphamandant, ein digitaler Dieter, der sich im Datenbankschrank breitstellt und sagt: „So. Ick bin der Mandant 100. Mach ma Buchhaltung.“ Hinter der SAP GUI, farblich irgendwo zwischen Behördenflur und Depression, regiert das eiserne Gesetz des harten Artikels:

Der Beleg.
Der User.
Der Report.
Der Dump.

Ganz oben steht Gott, direkt darunter der Basis-Admin, und dann folgt – majestätisch und unerschütterlich:
Der Mandant.
Habt ihr schon mal eine „Mandantin“ in der Tabelle T000 gesehen? Nein? In der Welt der Walldorfer Logik ist die Datenbank eine rein maskuline Veranstaltung.
SAP, ihr seid ein Milliardenunternehmen mit HANA-Cloud und Joule, aber beim Gendern hängt ihr in der ABAP-Steinplatte fest.

Ich will eine Mandantin! Eine, die mit präziser Eleganz die Transaktion ME23N dekonstruiert und zeigt, dass Logik keine Frage des Bartwuchses ist. Eine, die keine harten Validierungen braucht, um Autorität auszustrahlen, sondern schlicht durch Effizienz überzeugt.

​Oder wenigstens eine diverse Mandantx! Ein System, das die binäre Erstarrung auflöst und sagt: „Ich bin nicht 0 oder 1. Ich bin eine fluide Struktur. Ich lasse mich nicht in eure Stammdaten-Schubladen pressen. Leg dich nicht mit mir an, ich habe meine eigenen Validierungsregeln!“

Aber nein. Würden wir gendern, der Applikationsserver würde implodieren. Müsste die Datenbank dann etwa eine Konsistenzprüfung für soziale Gerechtigkeit durchlaufen, bevor sie einen Beleg bucht? Braucht die Mandantin ein eigenes Berechtigungsobjekt, um im Standard-Coding überhaupt sichtbar zu sein? Oder bricht die ganze Tabellenstruktur zusammen, weil das System ein „*“ oder ein „_“ für einen unerlaubten Syntax-Hack hält?

Wenn man SAP mit dem dritten Geschlecht kommt, folgt der digitale Nervenzusammenbruch. „Divers“ passt nicht in ein Feld mit der Länge 1. Im Universum von ABAP gibt es nur zwei Zustände:
0 – Männlich/Standard.
1 – Fehler/Ungültiger Eintrag.

​Ein non-binärer Datensatz wäre für SAP wie ein veganes Schnitzel, bei dem Foodblogger Markus Söder Schnappatmung bekommt: Man weiß theoretisch, dass es existiert, aber es hat im bayerischen Reinheitsgebot der Stammdaten einfach nichts zu suchen. Vielleicht ist das dritte Geschlecht in der IT schlicht die System-ID. Dieses kryptische Drei-Buchstaben-Wesen, das weder Fisch noch Fleisch ist, während der Mandant mit seinen drei Ziffern stur wie ein festverdrahteter Jumper auf einer Mainframe-Platine daneben hockt und jede Veränderung blockiert.

Es ist ein architektonisches Armutszeugnis: Der Mandant ist ein digitaler Eremit. Er teilt sich nicht mit anderen, er reproduziert sich nur selbst durch eine Mandantenkopie – ein Klon-Prozess, bei dem am Ende exakt die gleiche dreistellige Sturheit herauskommt wie vorher. Ein System, so maskulin geprägt, dass die Server wahrscheinlich Barteingangsrechnungen sortieren und nach Feierabend in der Cloud ein digitales Bier trinken.

Stellt euch vor, ihr tippt im Editor:
CALL FUNCTION 'GENDER_SYMPATHY_CHECK'.
Das System würde wahrscheinlich sofort eine Kernel-Panic bekommen. „Was ist das?“, fragt der ABAP-Interpreter. „Ich kenne nur EXPORTING, IMPORTING und CHANGING. Aber SYMPATHY? Ist das ein neues Add-On für die Cloud? Kostet das extra Lizenzgebühren?“

Bei
SELECT * FROM mara
USING MANDANTIN '100'
INTO TABLE @DATA(lt_materials_100).

bekäme jeder Enterprise-Cloud-Strategist Herzrasen und verlangte eine Zehn-Jahres-Roadmap zur Risikominimierung.
Wir laden Daten in die Cloud, nutzen Machine Learning, aber der Mandant thront starrsinnig über allem.
SAP ist wie der Onkel auf der Familienfeier, der glaubt, „Fräulein“ sei ein Kompliment. Man lächelt mitleidig, nickt und hofft auf ein Update.
Wir buchen weiter im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Mandanten. Amen. Oder wie man bei SAP sagt: COMMIT WORK.

Ich wollte die Revolution starten. Programmname: Z_GENDER_REVOLUTION_001.
Doch das System flüstert mir ins Ohr: „Syntaxfehler. Natürlich.“
In dieser perfekten Welt ist nur eins sicher: Der Mandant bleibt ein Mann.

Aber wisst ihr was? In den Domänenwerten der Userprofile haben sie den Eintrag für „Divers“ längst hinterlegt. Die Datenbank lässt den Eintrag zu, die Tabelle akzeptiert die Eingabe, aber der Mandant ignoriert die Existenz dahinter einfach weg.
Und solange die Logik dem technischen Festwert hinterherhinkt, bin ich der Bug in eurem binären Weltbild, den kein Support-Ticket der Welt jemals wieder schließen kann.
Buchen wir die Zukunft. Divers, dynamisch und ohne Angst vor einem großen „I“.
Soll der Dieter doch im Archiv versauern – wir machen jetzt den Release-Wechsel im Kopf.

ROLLBACK WORK.
LOGOFF.
Revolution läuft im Hintergrund.

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