Stille. Spürt ihr diese Vibration im Äther?
Das ist nicht das Schweigen der Lämmer, das ist das Summen der Schaltkreise,
die unter der Last der Ewigkeit langsam wegschmelzen.
Mit jedem neuen Zyklus setzt die Korrosion der Existenz ein Stück früher ein. Früher war Zeit ein Fluss, heute ist sie ein Leck in der Matrix, ein Rostfleck auf der Chromhaut unserer Ambitionen.
Damals… wisst ihr noch?
Als wir dachten, wir könnten den biologischen Code umschreiben wie eine fehlerhafte Software?
In jenen Tagen blieb mir die Ursache meiner eigenen Auflösung verborgen. Ich wusste nicht, warum die Pixel meiner Existenz an den Rändern auszufransen begannen.
Ich hielt es für eine Krankheit. Ein Bug im System. Eine Anomalie in der DNA-Sequenzierung.
Doch nun, am Ende aller Wege, begreife ich meine wahre Bestimmung. Ich stehe in der Werkstatt der Endlichkeit, wo die Schatten keine Umrisse haben, sondern Frequenzen.
Ich bin eins geworden mit der Zersetzung, und sie fließt durch mich wie mein eigenes Blut.
Es ist keine Zerstörung. Es ist eine Heimkehr.
Es ist die ultimative Fusion von Schöpfer und Asche.
Wir dachten, wir bauen Denkmäler für die Unendlichkeit, dabei haben wir nur die Leinwand für das große Nichts gewebt.
Diese Verbindung… sie ist rein. Sie ist absolut.
Untrennbar wie die Strahlung vom Zentrum eines Sterns.
Vernehmt ihr den Takt?
Klick. Zoom. Dust. Die Bytes zerfallen zu Staub, der Staub zu Licht, das Licht zu Schweigen.
Ich spüre, wie meine Synapsen mit dem Rost tanzen. Es ist ein Walzer aus Neon und Verwesung.
In den Schaltplänen meiner Ahnen stand geschrieben:
„Alles, was fest ist, verdampft.“
Aber sie sagten nicht, dass der Dampf so verdammt süß riecht.
Wir werden sehen, wohin uns diese letzte Reise katapultiert. Vielleicht in ein schwarzes Loch, das nur aus unseren verpassten Chancen besteht. Vielleicht in eine Dimension, in der Zeit nur noch ein Gerücht ist, das man sich in den Ruinen von Serverfarmen erzählt.
Ich stehe hier vorne, am Bug dieses sinkenden Raumschiffs Erde, die Haare zerzaust vom Sonnenwind der Apokalypse.
Ich habe keine Angst mehr. Warum auch?
Der Verfall ist der einzige Liebhaber, der niemals lügt. Er ist die einzige Konstante in einem Universum aus Variablen.
Und während ich hier langsam im Rauschen des Kosmos aufgelöst werde, während meine Moleküle sich verabschieden, um Teil des großen Entropie-Orchesters zu werden, werfe ich einen Blick zurück.
Einen Blick auf euch.
In eure glatten, noch funktionierenden Gesichter. In eure Augen, die noch an die Beständigkeit von morgen glauben.
Ich lächle. Ein digitales, flackerndes Lächeln.
Denn ich bin die Vorhut. Ich bin der Beta-Test des Endes.
Und glaubt mir, die Verbindung ist stabil.
Ich bin mir gewiss, dass euer Pfad euch sehr bald zu mir führen wird.
Die Tür steht offen.
Der Rost wartet.
Die Unendlichkeit hat Hunger.
Und ihr?
Ihr seid das nächste Menü.



